Einsatzgebiete von Hylase® „Dessau: Ophtalmochirurgie trifft Plastische Chirurgie

Hyaluronidase gilt seit Jahrzehnten als etablierter Standard in der Ophthalmo-Chirurgie zur Unterstützung der Lokalanästhesie: Aufgrund der gewebe-auflockernden Eigenschaften gewährleistet das Enzym eine schnelle und großflächige Diffusion des Lokalanästhetikums, beschleunigt dessen Wirkeintritt und vergrößert den schmerzunempfindlichen Bereich. Das Ergebnis dieses sogenannten Spreading-Effekts sind weniger intra- und postoperative Schmerzen sowie eine höhere Patienten-zufriedenheit [1, 2]. Mit der Zunahme des Trends zu ambulanten Eingriffen haben sich auch die Anwendungsfelder von Hyaluronidase (Hylase® „Dessau“) erweitert: Hierzu zählt mittlerweile etwa das Grenzgebiet zwischen der Behandlung funktioneller Störungen und kosmetisch-ästhetischer Problemfälle der Lidregion, aber auch abseits der ophthalmo-chirurgischen und oculoplastischen Eingriffe die klassiche plastische Chirurgie in Form von Doppelkinn-Korrekturen, Rhinoplastiken oder Kieferbrüchen. Ein Überblick über aktuelle und zukünftige Einsatzmöglichkeiten von Hyaluronidase wurde im Rahmen einer Pressekonferenz* anlässlich der 46. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgie (DGPRÄC) und des 113. Kongresses der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) vorgestellt.

 

Gewebeauflockernder Effekt ermöglicht Vorteile

 

Hyaluronidase spaltet Hyaluronsäure, einen Bestandteil der extrazellulären Matrix (EZM). Diese Eigenschaft kann genutzt werden, um mit Hyaluronidase als sogenanntem Diffusionspromotor die Viskosität der EZM zu verringern und die Gewebeverfügbarkeit für aktive Substanzen wie z. B. Lokalanästhetika zu erhöhen. Besonders verbreitet ist dieses Vorgehen in der Kataraktchirurgie, dem mit 550.000 Eingriffen pro Jahr am häufigsten ambulant durchgeführten Eingriff in der Augenheilkunde [3]. Hyaluronidase findet als Adjuvans besonders im Rahmen der Retro- und Peribulbäranästhesie sowie der sub-Tenon‘s-Anästhesie Anwendung, wie Prof. Dr. Karl-Heinz Emmerich, Darmstadt, mit Blick auf verschiedene Untersuchungen [4-6], erklärte: „Die Kombination von Hyaluronidase und einem Lokalanästhetikum birgt in der Ophthalmo-Chirurgie gerade im Vergleich zur Tropfanästhesie einen entscheidenden Vorteil: Durch die gewebeauflockernden Eigenschaften bewirkt das Enzym eine sicherere und vollständigere Akinese der Augenmuskulatur. Das Risiko plötzlicher Drucksteigerungen und das Schmerzempfinden werden dadurch reduziert“, erklärte Emmerich. „Damit verringert sich sowohl für den Arzt als auch für den Patienten der intraoperative Stress.“

 

 

Standard bei oculoplastischen Eingriffen

 

Der Einsatz von Hyaluronidase gewinnt neben der klassischen Ophthalmo-Chirurgie auch innerhalb des interdisziplinären Fachgebiets der Oculoplastik immer mehr an Bedeutung. Hierzu zählen vor allem kleinere chirurgische Eingriffe im Bereich der Lidregion, so etwa die sogenannten Blepharoplastiken. „Bei Blepharoplastiken handelt es sich generell um ein Grenzgebiet zwischen funktioneller Störung und kosmetisch-ästhetischer Chirurgie“, erklärte Emmerich. „Ziele von Oberlidblepharoplastiken sind neben der Durchführung der Hautresektion auch die Reduktion von Fetttaschen und die Fixierung von Deckfalten. Blepharoplastiken des Unterlids dienen in der Regel dazu, störende Tränensäcke zu entfernen oder einzelne Hautpartien im gesamten Lidbereich zu straffen“, so der Ophthalmologe weiter. Emmerich nutzt bei Ober- und Unterlidplastiken unter Anwendung eines CO2-Lasers für die Infiltrationsanästhesie ein Gemisch aus 0,5 ml Bicarbonat 8,4 %, 0,5 ml Hylase® „Dessau“ 150 I.E., 2,0 ml Bupivacain 0,5 % sowie 2,0 ml Prilocain 1 % mit Adrenalinzusatz als langwirkendes Lokalanästhetikum. „Die Mischung wird präoperativ als Quaddel an die temporale Außenlidseite gesetzt und anschließend unter Einmassieren über das gesamte Lid verteilt. Danach lassen sich alle lidchirurgischen Maßnahmen völlig schmerzfrei durchführen“, so seine Erfahrung.

 

„In unserer Klinik gilt die Kombination aus 2 % Lidocain und 0,0005 % Epinephrinhydrochlorid unter Zugabe von 15 I.E. Hylase® „Dessau“/ml als Standard in der Infiltrationsanästhesie bei Eingriffen im Lidbereich“, berichtete Dr. Hüseyin Aral, Köln. „Auch bei kleinen chirurgischen Eingriffen im Rahmen der Therapie von Hauttumoren im Lidbereich – wie z. B. Basaliomen – kann Hyaluronidase zum Einsatz kommen.“ Durch die verbesserte Diffusion des Lokalanästhetikums ermöglicht Hyaluronidase eine bessere Verteilung des Betäubungsmittels im Bereich des Tumors [7|. „Ebenso gibt der Zusatz uns in der Praxis die Möglichkeit, vermehrt auf Vollnarkosen zu verzichten oder diese als Ergänzung zur örtlichen Betäubung zumindest flacher laufen zu lassen“, ergänzte Aral. Seine Erfahrung zeigt, dass die Ko-Applikation von Hyaluronidase gerade die Anästhesie dann erleichtern kann, wenn postoperativ verhärtete oder vernarbte Geweberegionen die Diffusion des Lokalanästhetikums beeinträchtigen. „Durch den Zusatz von Hyaluronidase wird eine ausreichende Betäubung gewährleistet – besonders wenn der elastische Rückzug des Gewebes bei Eröffnung der rekonstruierten Lidspalte die Kauterisierung erschwert und mit einer erhöhten Schmerzempfindung zu rechnen ist“, berichtete Aral.

 

 

Plastische Chirurgie als neues Anwendungsfeld

 

Neben den zahlreichen Anwendungsgebieten von Hyaluronidase im Bereich der Ophthalmo-Chirurgie und der Oculoplastik setzen auch immer mehr Ärzte das Enzym zur Unterstützung der Lokalanästhesie bei kleineren chirurgischen Eingriffen im Bereich der plastischen Chirurgie ein.

 

 

So zeigt etwa eine kürzlich publizierte Arbeit von Nowara und Dahlem, dass sich die positiven Erfahrungen aus der Augenchirurgie auch auf Operationen im Nasenbereich übertragen lassen [8]. „Aus meiner Sicht könnte das Enzym aufgrund seiner gewebeauflockernden Wirkung neben Rhinoplastiken auch zur Unterstützung der Lokalanästhesie bei der Liposuktion generell oder auch bei anderen plastisch-ästhetischen Anwendungsgebieten eingesetzt werden“, sagte Prof. Dr. C. Can Cedidi, Bremen, abschließend und unterstrich das große Potenzial des Enzyms in seinem Fachgebiet.

 

 

Weitere Informationen:
RIEMSER Pharma GmbH
An der Wiek 7
D-17493 Greifswald – Insel Riems
Tel.: +49 30 338427-0
Fax: +49 38351 76-48
www.RIEMSER.com
www.hylase.de

 

 

Literatur

 

  1. Wohlrab J, Finke R, Franke WG, Wohlrab A (2012) Clinical trial for safety evaluation of hyaluronidase as diffusion enhancing adjuvant for infiltration analgesia of skin with lidocaine. Dermatol Surg 38: 91-6.
  2. Wohlrab J, Finke R, Franke WG, Wohlrab A (2012) Efficacy study of hyaluronidase as a diffusion promoter for lidocaine in infiltration analgesia of skin. Plast Reconstr Surg 129: 771e-2e.
  3. Bundesverband für ambulantes Operieren e.V., Operation des Grauen Stars (Katarakt-Operation) 2015; www.operieren.de/content/e3224/e10/e589/e594/e667/ (letzter Aufruf: 21.09.2015).
  1. Remy M, Pinter F, Nentwich MM, Kampik A, Schönfeld CL (2008) Efficacy and safety of hyaluronidase 75 IU as an adjuvant to mepivacaine for retrobulbar anesthesia in cataract surgery. J Cataract Refract Surg 34: 1966-9.
  2. Mantovani C, Bryant AE, Nicholson G (2001) Efficacy of varying concentrations of hyaluronidase in peribulbar anaesthesia. Br J Anaesth 86: 876-8.
  3. Dempsey GA, Barrett PJ, Kirby IJ (1997) Hyaluronidase and peribulbar block. Br J Anaesth 78: 671-4.
  4. Esser P et al., Dtsch Ärztebl 2000; 97: A 35-8.
  5. Nowara E und Dahlem K., MÄC 2014; 2: 1-4.

 

 

* Quelle: Pressekonferenz: Fokus Gesicht: Ophthalmo-Chirurgie trifft Plastische Chirurgie – Einsatzgebiete von Hylase® „Dessau“, Veranstalter: RIEMSER Pharma GmbH, Berlin, 2. Oktober 2015.

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